Natur- und Bewegungsklasse
Seit dem Schuljahr 2011/2012 bietet die Paul-Meyle-Schule eine alternative Unterrichtsform, die „Natur- und Bewegungsklasse“ (NaBe), an.
Dieses Angebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die aufgrund ihrer individuellen Lernausgangslage einen offenen und bewegungsintensiven Unterrichtsrahmen und besondere Unterstützung in ihrer sozial-emotionalen Entwicklung benötigen. Der Natur- und Bewegungsklasse steht hierzu ein großes Schulgartengelände (ca. 120 Ar), welches uns von privater Seite zur Nutzung überlassen wird und sich in etwa 2 km Entfernung zum Schulgebäude befindet, zur Verfügung. Die Schülerinnen und Schüler bewältigen den Weg zum Schulgarten von Montag bis Donnerstag zu Fuß, egal zu welcher Jahreszeit und bei welchem Wetter. Im Schulgarten erwarten die Kinder mehrere beheizbare Bauwagen- und Zeltunterkünfte, ein Sanitärcontainer, ein weitläufiges Gelände mit Sandspielplatz, Bolzplatz, verschiedenen Spielgeräten und nicht zuletzt auch zahlreiche Obstbäume und Pflanzbeete.
Das unterrichtliche Angebot orientiert sich individuell an den Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler und beinhaltet das gesamte Spektrum des Bildungsplanes (SBBZ Geistige Entwicklung) unter besonderer Betonung von Bewegung, Naturerfahrung, sozial-emotionalem Lernen, Selbstversorgung und handwerklicher Betätigung. Im Tagesablauf wechseln sich dabei stark geführte und ritualisierte Unterrichtsphasen, welche eine wichtige Orientierungshilfe bieten, mit solchen Phasen ab, die einen großen individuellen Freiraum zulassen. Auch bietet die Größe des Geländes die Möglichkeit, individuell unterschiedlichen Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler nach Nähe oder Distanz entsprechen zu können.
Ziele des Unterrichts in der NaBe sind insbesondere die emotionale Stabilisierung, die Begleitung und Unterstützung bei sozial-emotionalen Reifungsprozessen, der Aufbau eines positiven Selbstbildes, die gemeinsame Bewältigung von Konflikten sowie das Erlernen von Alternativen zu Verhaltensweisen, die allgemein als problematisch empfunden werden.
Um eine Anbindung an die Bildungsangebote der Stammschule zu gewährleisten, wird jede Schülerin und jeder Schüler einer altersentsprechenden Partnerklasse zugeteilt. Je nach persönlicher Ausgangslage kann so eine (stundenweise) Teilnahme an dortigen Unterrichtsangeboten in einem individuell bemessenen Umfang erfolgen. Darüber hinaus nehmen die „NaBe“-Kinder immer freitags an den Übungsstunden des Schulzirkus Wackelpudding teil und erhalten so die Möglichkeit, in Kontakt zu einer größeren Schülergruppe (insgesamt ca. 25 Kinder) zu treten und sich als Teil der Schulgemeinschaft zu erleben.
Von zentraler Bedeutung in der Arbeit der „NaBe“ ist ein enger Austausch mit den Eltern, um die verschiedenen Blickwinkel auf das Kind und gegebenenfalls unterschiedlichen Wahrnehmungen zu kommunizieren, gemeinsame Zielsetzungen zu finden und diese verbindlich zu formulieren. Elternabende, Förderplangespräche und jederzeit kurzfristig und bedarfsgerecht anzuberaumende Elterngespräche bieten den Rahmen für den gemeinsamen Austausch.
Als allseitig bereichernd erlebt und vom Team der Natur- und Bewegungsklasse ausdrücklich gewünscht ist das Hinzuziehen externer Hilfs- und Unterstützungsangebote (z.B. Therapeuten, Psychologen, Familiencoaches als Beispiel für eine Unterstützungsform der Jugendhilfe) zur Sicherstellung einer systemischen Gesamtsicht auf das Kind, einschließlich seines familiären und schulischen Umfelds und die damit verbundene Möglichkeit eines interdisziplinären Austauschs. Die Dokumentation der Zielsetzung der unterrichtlichen Maßnahmen erfolgt im Förderplanprotokoll, welches in gleicher Form auch in allen anderen Klassen und Stufen der Paul-Meyle-Schule verwendet wird.