Schüler mit Autismus-Spektrum-Störung
Unterrichtskonzeptionen an der Paul-Meyle-Schule
Was bedeutet Autismus-Spektrum-Störung?

Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) gehören zu den neuronalen Entwicklungsstörungen. Das bedeutet, dass es im Verlauf der kindlichen Entwicklung zu Besonderheiten in der Wahrnehmung, Sprache, Motorik oder sozialen Entwicklung kommt. Der Begriff „Spektrum“ macht deutlich, dass es keinen typischen Menschen mit Autismus gibt – sondern sehr unterschiedliche Ausprägungen.
Während früher zwischen „Asperger-Autismus“ oder „Frühkindlichem Autismus“ unterschieden wurde, wird heute ausschließlich die Diagnose Autismus-Spektrum-Störung verwendet.
Für eine fachärztliche Diagnose müssen bestimmte Merkmale vorliegen, zum Beispiel repetitive und wenig flexible Verhaltensweisen, sehr besondere Interessen sowie der Beginn der Auffälligkeiten in früher Kindheit. Gleichzeitig müssen diese Besonderheiten den Alltag der Person deutlich beeinflussen. Woher Autismus kommt, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt.
Wahrnehmung der Welt

Eine der gut erforschten Annahmen ist die Theorie der „schwachen zentralen Kohärenz“. Sie beschreibt, dass Menschen im Autismus-Spektrum Details oft sehr genau wahrnehmen, während das Erkennen des Gesamtzusammenhangs anspruchsvoller sein kann. Nach dieser Theorie von Happé & Frith werden keine Kategorien ausgebildet, jede Wahrnehmung bleibt für sich ein neuer Eindruck. So gibt es beispielsweise kein Konzept "Katze". Jede neue Katze die wahrgenommen wird ist sozusagen ein neue entdecktes Wesen.
Dadurch können alltägliche Situationen – Geräusche, Gerüche, neue Eindrücke – schnell überfordernd wirken. Diese besondere Wahrnehmungsverarbeitung betrifft häufig mehrere Sinne. Viele Menschen im Spektrum bezeichnen sich deshalb als neurodivers und erleben ihre Wahrnehmungsweise als festen Bestandteil ihrer Identität.
Auf dieser Grundlage gestalten wir an unserer Schule unsere pädagogischen Konzepte: Wir unterstützen die Schülerinnen und Schüler dabei, ihre Wahrnehmung einzuordnen, Sicherheit zu gewinnen und herausfordernde Situationen besser zu bewältigen.
Grundhaltungen

Das Autismus- Spektrum ist sehr vielfältig und bei jedem Kind individuell ausgeprägt. Daher ist es uns wichtig, auf die Persönlichkeiten und die spezifischen Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes einzugehen. Der schulische Umgang ist dabei durch ein hohes Maß an Individualisierung, Strukturierung und Verlässlichkeit geprägt. Ziel ist es, eine Umgebung zu schaffen, in der sich die Kinder wohlfühlen und ihr Potenziale entfalten können.
Wir orientieren uns dabei priorisiert an den pädagogischen Grundsätzen Strukturierung, Sprache und Visualisierung. Diese sind im Folgenden näher beschrieben.
Strukturierung von Zeit

Eine der wichtigsten Maßnahmen ist die Strukturierung von Zeit. Ein verlässlicher und vorhersehbarer Tagesablauf bietet Sicherheit und Orientierung. Feste Zeitpläne, klar gegliederte Unterrichtsphasen sowie ritualisierte Übergänge helfen den Schülern, sich im Schulalltag zurechtzufinden..
Sprache und Bezugspersonen

Im sprachlichen Umgang achten wir auf eine klare und eindeutige Sprache. Eine direkte und konkrete Kommunikation ohne Redewendungen oder Metaphern unterstützt das Verstehen und reduziert Missverständnisse.
Verlässliche und kontinuierlich präsente Bezugspersonen geben den Schülern Sicherheit und erleichtern den Aufbau von Vertrauen. Sie fungieren als Ansprechpartner und unterstützen die Kinder dabei, die eigenen Bedürfnisse zu stillen und die sozialen Anforderungen im Schulalltag zu bewältigen. Dies wird bei uns durch die Lehrkräfte, Betreuenden Kräfte sowie auch durch individuelle Schulbegleitungen umgesetzt.
Visualisierung von Abläufen und Handlungen

Durch den Einsatz von Symbolen, Piktogrammen, Wochenplänen oder bildgestützen Handlungsanweisungen können komplexe Inhalte und Abläufe verständlicher gemacht werden. Visuelle Hilfen dienen dabei nicht nur als Orientierung, sondern fördern auch die Selbstständigkeit der Kinder. Hierbei werden die Elemente zur Strukturierung und Visualisierung des Alltags aus dem TEACCH Ansatz mit einbezogen.