Schüler mit Autismus-Spektrum-Störung
Zum Jahr 2022 wurde das Handbuch zur Beschreibung und Klassifikation von Krankheiten und Behinderungsbildern überarbeitet. Es heißt ICD 11 (Intenational Classification of Disease Nr. 11). Seitdem gibt es einige Neuerungen in den offiziellen Bezeichnungen im Bereich Autismus-Spektrum-Störung.
Sie ist dem Bereich „neuronale Entwicklungsstörungen“ zugeordnet. Das bedeutet, dass es während der Entwicklung eines Kindes Problemen in der Kognition, Motorik, Sprache und/oder sozialen Entwicklung durch das Nervensystem gibt.
Es gibt nicht „den Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung“. Es gibt verschiedenste Formen und Ausprägungen. Manche AutistInnen haben Einschränkungen der Sprache und/oder der Intelligenzentwicklung. Andere nicht. Man sieht die Ausprägungsmöglichkeiten wie schon im Namen benannt als vielfältiges Spektrum an. Früher hat man meist von „Asperger-Autismus“, oder auch „Frühkindlichem Autismus“ oder „Kanner Autismus“ gesprochen. Seit dem neuen Handbuch wird ausschließlich die allgemeine Bezeichnung „Autismus-Spektrum-Störung“ als Diagnose verwendet.
Im Handbuch stehen einige Symptome oder Verhaltensweisen, die ein Mensch haben muss, um die Diagnose Autismus-Spektrum-Störung zu bekommen:
- Repetitive (sich wiederholende), unflexible Verhaltensweisen.
- Besondere Interessensgebiete, die oft für das Alter untypisch und meist sehr exzessiv sind.
- Beginn der Symptome in der frühen Kindheit.
Allgemein ist gegeben, dass das Verhalten für die Person ein tiefgreifendes Problem im persönlichen, familiären, sozialen und beruflichen Bereich darstellt. Es ist noch nicht wissenschaftlich belegt, woher Autismus kommt. Es gibt viele Ideen, aber noch keinen gesicherten Nachweis. Zudem ist es gar nicht leicht, allgemeingültige Aussagen durch Studien zu treffen, die dann auf alle Menschen im Spektrum zutreffen sollen! Die bislang am besten erforschte und belegte Theorie ist die der „schwachen zentralen Kohärenz“. Das bedeutet, dass man annimmt, dass AutistInnen die Welt nicht in Kategorien denken.
Wenn wir einer fremden Katze begegnen, dann ist das für uns eine Katze wie jede andere. Es kann für einen Autisten jedoch sein, dass diese eine Katze, an diesem Tag, zu dieser Minute, in dieser Straße ein völlig neuer Lebenseindruck sein kann, den man erstmal verarbeiten muss. Das ist, als ob man ständig jeden Gegenstand, jedes Lebewesen und jede Person einzeln neu kennenlernen muss. Die Eindrücke der Welt müssen somit täglich schlicht überwältigend sein! Ein anderes Beispiel für diese Theorie wäre, dass man annimmt, dass AutistInnen Bilder dieser Art nicht entschlüsseln können:
Der Fokus der Wahrnehmung liegt so stark auf den einzelnen Punkten, dass das Herz als Gesamtbild nicht erkannt werden kann. Dafür können Menschen im Spektrum hierdurch kleinste Details sehr schnell erfassen. Nur die Einordnung in den Gesamtzusammenhang benötigt dann oft eine enge Begleitung und Unterstützung.
Eine besondere Wahrnehmung trifft wahrscheinlich auch auf alle anderen Sinne zu! Eindrücke, die für uns angenehm sein können, wie Gerüche oder Musik, können für manche AutistInnen fast schon schmerzhaft sein. Geschmäcker, die als allgemein angenehm empfunden werden, können Entsetzen hervorrufen und so weiter. Es gibt keine allgemeingültige Aussage. Aber wir können immer versuchen daran zu denken, dass die Welt für Nicht-AutistInnen meist ganz anders ist als die eines Menschen im Spektrum!
Gruppen von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung bezeichnen sich selbst deswegen oft als „neurodivers“. Viele davon bevorzugen deswegen auch die direkte Bezeichnung als Autist oder Autistin, da die andere Wahrnehmung ein Teil ihrer selbst ist. Sie können nicht aufhören damit und sie identifizieren sich auch damit.
Unsere folgenden Unterrichtskonzepte für junge AutistInnen unserer Schule sind an diesen Erkenntnissen ausgerichtet. Wir versuchen gemeinsam die Vielfalt zu leben und unterstützen die Kinder darin herauszufinden, wie sie die Welt für sich etwas mehr ordnen können und schwierigen Situationen meistern können.